
Über das Wochenende entstanden neue Hoffnungen auf eine Deeskalation im Nahen Osten. So gab US-Präsident Donald Trump an, es werde noch am heutigen Montag Gespräche zwischen den USA und dem Iran geben. Einen zuvor geplanten Militärschlag gegen die Islamische Republik habe er abgesagt. An den Ölbörsen wurde dies heute Morgen zunächst mit niedrigeren Preisen quittiert. Bei langfristigem Vergleich bleiben die Preise allerdings auf wesentlich höherem Niveau, da die Angebotssituation weiterhin angespannt bleibt.
Langfristige Preisentwicklung
Die preistreibende Wirkung des Iran-Konflikts auf die Inlandspreise, spiegelt sich bei der Betrachtung der langfristigen Heizölpreisentwicklung und im Mehrjahresvergleich weiterhin besonders deutlich wider. Hier zeigt sich, dass die Preisniveaus immer noch weit oberhalb der Durchschnittsniveaus des entsprechenden Vorjahreszeiträume liegen. Ende Juni, als zwischen den USA und dem Iran eine vorläufige Waffenruhe galt, näherte sich das Inlandspreisniveau zwar dem der Vorjahre an, die erneute Eskalation, zu der es im Juli kam, sorgte jedoch wieder für deutlich höhere Inlandspreise als in den Vorjahren.
Was spricht aktuell für steigende Preise?
– Naher Osten bleibt Konfliktherd
Die Konfliktsituation im Nahen Osten bleibt weiterhin Thema, denn die Sperrungen wichtiger Wasserstraßen sorgen trotz der jüngsten Meldungen zu Gesprächen zwischen den USA und dem Iran auch weiterhin für Angebotsprobleme. So ist inzwischen nicht nur die Straße von Hormus gesperrt, auch im Roten Meer kommt es immer wieder zu Angriffen durch die vom Iran gestützten Huthi. Hinzu kam in der Vergangenen Woche eine Ausweitung des Konflikts auf den Irak. Auch an einem ägyptischen Mittelmeerhafen schlug eine Drohne ein.
– Ukraine setzt Angriffe auf russische Ölanlagen fort
Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf russische Raffinerien und Schiffe fort und versucht ihr bestes, die russische Ölverarbeitung und Exportmöglichkeiten einzuschränken und zu beschädigen. Das reduziert das Angebot von Ölprodukten am Weltmarkt aktuell deutlich.
– Angebotsausfälle in Kasachstan
Nachdem ein wichtiger Export-Terminal im Schwarzen Meer nach einer durch einen Drohnenangriff verursachten Verladepause den Betrieb wiederaufgenommen hatte, sorgte ein weiterer Drohnenangriff im Verlauf der vergangenen Woche für einen erneuten Betriebsstopp. An dem Export-Terminal wird üblicherweise der Großteil der Ölmengen aus Kasachstan exportiert. Durch den Ausfall an dem Hafen kommt es zu einem zusätzlichen Angebotsausfall, der am Ölmarkt die Preise stützt.
– Niedrige Wasserpegel und hohe Frachtraten
Die aktuelle Trockenheit sorgt seit Wochen dafür, dass die Binnenschifffahrt auf den deutschen Wasserstraßen immer schwerer wird. Je niedriger die Wasserpegel, desto weniger Ladung kann transportiert werden, was zu hohen Frachtraten und zu Problemen bei der Nachversorgung führt. An einigen Rheinstationen wurden sogar bereits historische Niedrigwasserstände verzeichnet. Auch in den nächsten Tagen dürfte sich an dieser Situation nicht viel ändern.
Was spricht aktuell für sinkenden Preise?
– Angebliche Aussicht auf erneute Gespräche zwischen USA und Iran
US-Präsident Trump am Wochenende verkündete am Wochenende, es werde erneut Gespräche mit dem Iran geben, die bereits heute beginnen sollen. Am Markt nährt dies wieder die Hoffnung, dass es vielleicht doch noch zu einer diplomatischen Lösung des Konflikts kommen könnte. Die Skepsis am Markt dürfte jedoch erst einmal bestehen bleiben, denn noch wurde die Aussage Trumps von iranischer Seite noch nicht bestätigt.
